Es ist mehr oder weniger Zufall, dass mich der erster Besuch meines „Projekts Ermutigung“ gleich ins Ausland führt. Eine Reise zu Eichstätts Partnerstädten Bolca und Montegalda will ich auch für eine Erkundung von Lernorten der Nachhaltigkeit in (Nord-)Italien nutzen. Der Weg führt über den Brenner nach Südtirol – und so sind meine ersten beiden Stationen Einrichtungen in dieser Region.

Das Kloster Neustift der Augustiner Chorherren in Vahrn bei Brixen habe ich vor einigen Jahren als Tourist besucht und war sofort begeistert: tatsächlich ein Kraftort, wie es auf der Homepage steht! Wie so viele Klöster steht auch Neustift an einem Ort, der eine besondere Wirkung ausstrahlt, die durch die Gestaltung der Bauten und Gärten noch einmal verstärkt wird. Meine Begeisterung wuchs, als ich entdeckte, dass es hier auch ein Bildungshaus Kloster Neustift. Was für ein außergewöhnlicher Ort zum Lernen! Der Entschluss stand fest, einmal wieder zu kommen. Als sich jetzt die Gelegenheit dazu ergab, vereinbarte ich einen Gesprächstermin, und buchte mich für zwei Tage im Tagungshaus ein, um das Bildungshaus auch als Gast ganzheitlich zu erleben.

Ich reiste am Abend an und musste meinen Zimmer-Schlüssel aus einem Tresor entnehmen. Bei solchen Gelegenheiten bin ich immer etwas nervös. Wie oft habe ich schon erlebt, dass es dabei Schwierigkeiten gab! Hier aber hat alles bestens funktioniert – und dieser Eindruck perfekter Organisation hat sich an den beiden folgenden Tagen mehrfach bestätigt. Ich laufe mit meinem Trolly über den Klosterhof zur Unterkunft – und merke, wie nach langer Autofahrt sofort Ruhe einkehrt. Der Ort wirkt.

Beim Eintritt in das Gebäude, auf dem Weg zu meinem Zimmer, sticht mir ein Zitat des heiligen Augustinus ins Auge:  „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“ – ein zentrales Moment gelingender Bildungs- und Führungsarbeit, in einem Satz prägnant auf den Punkt gebracht.

Ich reiste am Abend an und musste meinen Zimmer-Schlüssel aus einem Tresor entnehmen. Bei solchen Gelegenheiten bin ich immer etwas nervös. Wie oft habe ich schon erlebt, dass es dabei Schwierigkeiten gab! Hier aber hat alles bestens funktioniert – und dieser Eindruck perfekter Organisation hat sich an den beiden folgenden Tagen mehrfach bestätigt. Ich laufe mit meinem Trolly über den Klosterhof zur Unterkunft – und merke, wie nach langer Autofahrt sofort Ruhe einkehrt. Der Ort wirkt.

Beim Eintritt in das Gebäude, auf dem Weg zu meinem Zimmer, sticht mir ein Zitat des heiligen Augustinus ins Auge:  „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“ – ein zentrales Moment gelingender Bildungs- und Führungsarbeit, in einem Satz prägnant auf den Punkt gebracht.

Am anderen Morgen treffe ich mich zum Gespräch mit Benjamin Astner, dem Leiter des Bildungshauses, und den beiden für das BNZ-Zentrum verantwortlichen Bildungsreferent*innen Oriana Sturiale und Lukas Neuwirth.

Das Bildungshaus versteht sich als ein Ort der Orientierung und will mit seinen Angeboten Menschen bei ihrer beruflichen, persönlichen und spirituellen Entwicklung begleiten. Das Motto der Orientierung findet sich wieder im „Kompass Bildung“, der die Themen des Bildungsangebotes strukturiert.

Das Bildungshaus beheimatet sein über 20 Jahren eine Umweltwerkstatt, vor zwei Jahren wurde nun das Zentrum Bildung für nachhaltige Entwicklung eingerichtet, das an diesen Erfahrungen anknüpft und das Umweltthema in den größeren Zusammenhang der Nachhaltigkeit stellt. Das Zentrum wird durch das Amt für Weiterbildung der Autonomen Provinz Bozen gefördert und hat den Auftrag, das Thema Nachhaltigkeit in der Weiterbildungslandschaft Südtirols zu verankern. Entsprechend breit sind die Angebote, die von der Organisation von Tagungen zu Themen wie zukunftsorientierter Tourismus oder Biodiversität bis zu Veranstaltungen an Schulen reichen.

In unserem Gespräch haben wir uns über viele Aspekte der BNE und Bildungsmanagements von BNE ausgetauscht. Zwei Themen will ich aufgreifen: Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir mit Veranstaltungen zur Nachhaltigkeit vor allem jene erreichen, die bereits sensibilisiert und engagiert sind. Macht das Sinn? Bei allem Zweifel war die Quintessenz in unserem Gespräch dann doch: ja. Es ist ein wichtiges Anliegen von BNE, die Engagierten zu unterstützen, bei der Vernetzung zu helfen – und der Resignation vorzubeugen/entgegenzuarbeiten. Und trotzdem bleibt die Frage, wie wir aus der „Blase der Nachhaltigkeits-Engagierten“ heraustreten und auch die Indifferenten oder die Klima-Leugner erreichen und mit ihnen in einen Dialog treten können.

Ein zweiter Themenstrang war die Rolle von Führungskräften in der BNE. Oriana und Lukas machen in ihrer Arbeit immer wieder die Erfahrung, dass das Engagement von Lehrkräften gebremst wird, weil sie zu wenig Unterstützung von der Leitung erfahren. Ein Eindruck, der von unseren empirischen Studien zur Rolle von Führungskräften in der BNE  immer wieder bestätigt haben (z.B.: Implementation of ESD in Organizations of Adult Education). Eine Studienteilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Ohne die Unterstützung der Leitung geht nicht wirklich was voran.“ Auch das eine „Baustelle“, daran weiter zu arbeiten.

Der zentrale aktuelle Ansatz der BNE ist der Whole Institution Approach (WIA): Nach dem Motto „Wir leben was wir lehren“ sollen Bildungseinrichtungen selbst zu Akteuren einer nachhaltigen Entwicklung werden. Nicht nur Nachhaltigkeit „predigen“, sondern selbst nachhaltig wirtschaften und so eine Vorbildrolle einnehmen. Es gilt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit in alle Strukturen, Prozesse und Handlungsweisen der Einrichtung zu integrieren: Ressourcen-Verbrauch kontrollieren und reduzieren, Nachhaltigkeit beim Einkauf berücksichtigen, das Außengelände naturnah gestalten und auf Pestizide verzichten, nachhaltig heizen – und das alles möglichst transparent und für Besucher*innen nachvollziehbar zu machen. Mit dieser „WIA-Brille“ war ich auch in Neustift unterwegs…

Auf der Seite des Programm-Angebot ist das Bildungshaus mit seinem jahrzehntelangen Engagement für Umwelt- und Naturbildung, für Gesundheit und Bewusstsein, für Spiritualität schon sehr gut aufgestellt. Die Einrichtung des BNE-Zentrums verstärkt dies noch einmal entscheidend. Das Programm hat noch einen starken Schwerpunkt in der ökologischen Nachhaltigkeit mit „klassischen“ Themen der Natur- und Umweltpädagogik. Explizite Bezüge zu den UN-Nachhaltigkeitszielen sind im Programm nicht ausgewiesen. Gerade weil diese in der Bevölkerung und selbst bei Entscheidungsträgern oft noch nicht bekannt sind, wäre eine Bezugnahme darauf mindestens auf der Homepage und im Veranstaltungsprogramm wertvoll.

Im Sinne des WIA, Nachhaltigkeit „vorleben“, schöpfen das Bildungshaus und das Kloster ihr Potenzial nach meiner Wahrnehmung noch nicht voll aus. So werden z.B. am Frühstücksbüffet Kaffee, Brot, Früchte und alles andere aus konventionellem Anbau angeboten. Weiterhin gibt es zwar nachhaltige Praktiken bzw. Strukturen, z.B. ein eigenes Wasserkraftwerk und eine Hackschnitzel-Heizung im Energiebereich; eine Ladestation für E-Autos findet sich gleich im Eingangsbereich des Parkplatzes. Aber ich habe keine Hinweisschilder oder Erläuterungen zu dazu gesehen, wie ich sie aus anderen Häusern kenne. Und was hätte es für eine Vorbildwirkung für die ganze Region, wenn das Kloster die eigenen Ländereien biologisch bewirtschaftet würden!

Vor dem Hintergrund der christlichen Schöpfungsverantwortung sind und waren kirchliche Einrichtungen, gerade auch Klöster, oft Vorreiter für eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Solches Engagement hat durch die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus noch einmal starken Anschub erhalten. Und erste Äußerungen von Papst Leo XIV weisen darauf hin, dass er diesen Weg konsequent weitergehen will. Es gibt als Unterstützung für Nachhaltigkeit von ganz oben…

Ich habe den Aufenthalt im Bildungshaus sehr genossen und bin nach zwei Tagen inspiriert und bereichert weitergefahren. Ein wunderbarer Ort für Bildung!

Vielen Dank an Benjamin Astner, Oriana Sturiale und Lukas Neuwirth für den freundlichen Empfang und den spannenden Austausch – und eure wertvolle und so notwendige Arbeit!