Als hätten nicht schon die bekannten Brennpunkte der globalen Situation gereicht: Klimawandel, Hunger, Armut, Verlust der Bio Diversität… Nein, es braucht auch noch skrupelloses Staatenlenker wie Trump, Putin, Netanyahu, die sinnlose Kriege vom Zaun brechen, deren Konsequenzen alle Fortschritte beim Erreichen der SDGs zunichte machen, ja, welche die Idee einer länder- und staatenübergreifenden gemeinsamen Anstrengung für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung auf unserem wunderschönen Planeten ganz grundsätzlich infrage stellen. Und eine deutsche Bundesregierung, die gerade alles dazutut, die Klimapolitik auszubremsen und die Solarbranche in den Ruin zu treiben.
Bisweilen erlebe ich bei mir selbst, aber auch bei vielen anderen Menschen, eine emotionale Lage, wie ich sie zuletzt in den achtziger Jahren empfand, als Kalter Krieg, die Angst vor einem Dritten Weltkrieg, die Atom-Katastrophe von Tschernobyl und eine hohe Arbeitslosigkeit die Zukunftsaussichten verdunkelten. Und trotzdem: es ist so wichtig wie nie, nicht den Mut zu verlieren und zu resignieren. Ein starkes „trotz allem“ ist gefragt, wie es ja auch von Vielen hier auf LinkedIn immer wieder zum Ausdruck gebracht wird.
Beim Aufräumen im Keller fand ich ein Buch, das ich damals gelesen habe: „Projekt Ermutigung. Eine Streitschrift wider die Resignation“ von dem Zukunftsforscher Robert Jungk. Jungk wurde durch sein Buch „Der Atomstaat“ berühmt wurde, gründete später die Bibliothek für Zukunftsfragen (https://jungk-bibliothek.org/) und erfand die Methode Zukunftswerkstatt (https://www.methodium.de/mk/aktionsform-zukunftswerkstatt.html) – die „Mutter“ aller Großgruppen- und Beteiligungsmethoden.
Auch wenn sich die Situation heute in einigen Punkten ganz grundsätzlich von den 1980er Jahren unterscheidet: Vieles in dem Buch passt wie die Faust aufs Auge auch auf für heute. Da heißt es zum Beispiel gleich am Anfang:
„Es ist nicht zu spät!
Alles scheint auf den Untergang zuzusteuern, ein Ende, das keinen neuen Anfang gestatten würde, Zerfall und Zerstörung bis zu einem Grad, der keine Regeneration mehr erlaubt. …
Ich schreibe diese Zeilen aus tiefer Sorge, weil ich gerade von vielen, die sich gegen das Verhängnis gestemmt, dann aber aufgegeben haben, immer öfter höre, aller Widerstand sei vergeblich, das Unheil könne nicht mehr aufgehalten werden. Wenn aber sogar die Besorgten nachlassen, dann geben sie den blinden Betreibern eines Fortschritts zum Tode den Weg frei“ …
„Es gibt heute viele Anzeichen dafür, dass dem Wandel des Bewusstseins, den wir erleben, der Wandel im Handeln folgt und zum Teil bereits gefolgt ist. Je mehr Menschen sich ihrer kritischen Lage bewusst werden und darauf nicht mit Flucht reagieren, sondern mit Standhalten (H.E.Richter), desto eher kann Rettung kommen“ (S. 7ff.)
Für mich ist der Titel dieses Buches ein wunderbares Motto für ein Projekt, dass ich mir vorgenommen habe. Ich will in meiner eigenen Arbeit ein Stück weiter gehen und mich noch stärker vernetzen. Der Plan ist es, in den nächsten Monaten „Lernorte der Nachhaltigkeit“ zu besuchen, Einrichtungen, Unternehmen, Organisationen, die das Neue, was die Welt braucht, ins Leben bringen und darüber zu schreiben. Ganz bewusst will ich dabei nicht nur „klassische“ Lernorte besuchen, wie Schulen, Universitäten oder Einrichtung der Erwachsenenbildung, sondern auch Unternehmen und Organisationen, deren Kerngeschäft nicht Bildung ist, die aber für ihr jeweiliges Kerngeschäft Bildungsarbeit als Unterstützungsprozesse benötigen und betreiben. Denn das Lernen für die notwendige gesellschaftliche Transformation zur Nachhaltigkeit findet an ganz unterschiedlichen Orten statt.
Es ist nur ein kleiner, persönlicher Schritt, aber kleine Schritte summieren sich zu größeren. Und ich weiß, wie begeistert und inspiriert ich z.B. immer wieder von meinen Einsätzen bei SEKEM zurück komme. Ich bin sehr gespannt, was sich aus meinem „Projekt Ermutigung“ entwickelt!
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