Nach zwei spannenden Besuchen in Südtirol bleibe ich für meinen nächsten Ausflug zu Lernorten der Nachhaltigkeit ganz in der Nähe: der Kapuzinergarten Eden der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) liegt keine fünf Fahrradminuten von meinem Zuhause entfernt. Ich muss das Rad (fast) nur den Berg hinunterrollen lassen…

Der Garten ist ein Urban Gardening Projekt am Rande der barocken Altstadt von Eichstätt – ein besonderer Ort mit einer besonderen Geschichte.

Hinter Klostermauern verbirgt sich ein kleines Paradies: auf den ersten Blick sieht man einen Obstgarten mit altem Baumbestand, ein großes Feld mit Gemüsebeeten, einen beeindruckenden Dome aus Holz und Plexiglas und einen Lehmofen.

Wenn man tiefer eintaucht, kann man beim Spaziergang durch den Garten dann u.a. noch einen Lehrpfad, Bienenstöcke und eine kleine Aquaponik-Anlage mit erklärender Beschilderung entdecken.

Der Garten ist ein Paradies, dass vor der Zerstörung gerettet wurde, und heute ein Lernort für BNE der Extraklasse ist. Als die Kapuziner das Kloster aufgaben und Eichstätt verließen, gab es im Jahr 2010 weit fortgeschrittene Pläne, auf einem Teil des Grundstücks ein Parkdeck zu errichten. Eine Gruppe von Studierenden der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), engagierte Bürgerinnen und Stadträte konnten das verhindern. Die Studierenden entwickelten ein Konzept, wie der Garten für die Umweltbildung/BNE genutzt werden kann. Für eine Weile war der Verein für Nachhaltigkeit Träger des Garten, heute ist es die KU. Allein diese Geschichte macht Hoffnung und passt bestens zu meinem “Projekt Ermutigung“.

Ich treffe mich im Garten zunächst mit Dr. Johanna Umbach. Johanna war bereits in ihrer Studienzeit mit dem Garten involviert und Teil der Studierendengruppe, die so erfolgreich für seinen Erhalt gekämpft hat. Heute ist sie akademische Mitarbeiterin im Projekt „Mensch in Bewegung“ und koordiniert die Aktivitäten im Garten sowie ein Netzwerk von Lernorten der Nachhaltigkeit in der Stadt und im Landkreis Eichstätt. 

Johanna erzählt von den Angeboten des Gartens, einem bunten Blumenstrauß an Projekten: öffentliche Veranstaltungen z. B. über Permakultur, Pflanzenbestimmung, Konservierung von Früchten und Gemüse, die von den Eichstätter Bürger*innen gut angenommen werden. An den Tagen der offenen Tür schauen schon einmal bis zu 200 Besucher*innen vorbei.

Es finden regelmäßig drei Seminare der Universität hier statt, zu Schulgärten, Imkerei und Gemeinschaftsgärten. Vor allem Lehramtsstudierende mit dem Fach Didaktik Biologie, Studierende des MA BNE und des BA Transformation – Nachhaltigkeit – Ethik nehmen an den Seminaren Teil und arbeiten im Garten mit. Aber es kommen auch Studierende anderer Studiengänge. Verschiedene Schulen haben eigene Beete, weiterhin werden Veranstaltungen zur Lehrerfortbildung angeboten.

Ein Kernstück ist das Gartenseminar, das regelmäßig stattfindet, mit einem Theorieteil im Wintersemester, und einen praktischen Teil im Sommersemester. Das Seminar vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten zum Gärtnern auf biologischer Basis. Aber hier gibt es weit mehr zu lernen. Johanna berichtet: „Das ist ein Ort zum Ausprobieren und Wachsen der ganz andere Möglichkeiten als viele andere Veranstaltungen bietet. Ein zentrales Ziel ist es, Selbstwirksamkeit erfahren zu lassen. Die Studierenden können praktisch arbeiten, eigene Pläne machen und eigenständige Entscheidungen treffen, auch Fehler machen – keiner bestraft sie hier dafür, Fehler zu machen. So werden besondere Lernerfahrungen möglich. Weil die Studierenden anfangen, selbstständig zu denken, können sie mehr und anderes lernen, als wenn sie ein vorgegebenes Bildungsprogramm ‚abarbeiten‘“.

Wir haben den Termin meines Besuches so vereinbart, dass ich eine der letzten Sitzungen im aktuellen Durchgang des Gartenseminars miterleben kann. So stößt nach einer Weile Noah Ruf zu uns, der das Seminar jetzt leitet. Er hat einen BA in Biologie und studiert gerade im MA BNE an der KU. Als auch die ersten Studierenden kommen, lädt er sie ein, sich im Schatten untern den Obstbäumen im Kreis zu setzen, teils auf Stühlen und Bänken, teils am Boden.

Nach einer kurzen Ankomm-Runde stellen kleine Teams an einer Flipchart anhand vorbereiteter Plakate ihre Projekte vor: Bepflanzung des GeoDomes, der Hochbeete, Starkzehrer, Schwachzehrer… Sie berichten über Salat und Karotten, Kohlköpfe und Schnecken, geglückte Vorhaben und gescheiterte, über die Früchte ihrer Arbeit während des Semesters – im Wort-und im übertragenen Sinne. Nach der Kurzvorstellung geht dann die ganze Gruppe zum jeweiligen Beet und sieht sich das an.

In der Schlussrunde zur Auswertung der Veranstaltung sagt eine Studierende: „Das war mein absolutes Lieblingsseminar, weil es so praktisch ist. Viele Dinge, die wir in der Theorie lernen, können wir hier praktisch erleben und ausprobieren. Und beim Gießen kann man theoretisch Bekanntes wie Wasserknappheit und Bodentrockenheit sozusagen ‚am eigenen Leib‘ zu erfahren“.

Andere erwähnen den Garten als Ort des Austausches und der Begegnung. sie berichten, wie angenehm es immer ist, nach einem langen und anstrengendem Unitag im Grünen zu sein. Auch an heißen Tagen geht hier immer ein leichter Wind. So gibt die entspannende Umgebung noch einmal einen Schub an frischer Energie fürs Weiterlernen.

BNE soll Lernende befähigen, informierte und zukunftsfähige Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zu handeln. Der Kapuzinergarten Eden bieten eine optimale Lernumgebung für ganzheitliches Lernen im Sinne der BNE. Indem Studierende für eine Saison einen Teil des Gartens pflegen und gestalten, erleben Sie konkret, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Nicht zuletzt bieten gärtnerische Themen wie Pflanzenvermehrung, Saatgut, Düngung und Bewässerung auch vielfältige Anknüpfungspunkte für globale Fragen und Perspektiven und die Nachhaltigkeitsziele der UN.

In unserem Gespräch hatte Johanna auch ihren persönlichen Weg mit dem Garten beschrieben: „Ich bin durch den Garten gewachsen, nach unten und nach oben. Ich bin durch den Garten in Eichstätt (wieder) angekommen, habe mich hier verwurzelt. Und ich bin persönlich und professionell gewachsen. Wir haben das hier am Anfang als studentische Initiative total chaotisch organisiert. Das ist mit der Zeit immer besser geworden. Dann haben wir uns einen Verein gesucht und es ist uns gelungen, Mittel für Projekte und Personalstellen einzuwerben, das war ein großer Schritt. Schließlich sind wir mit dem Garten an die Uni gekommen“.

Eine Herausforderung für den Garten ist die Sicherung der Kontinuität. Zum einen die Existenz des Garten selbst, sowie die Betreuung durch eine Koordinatorin, die bis jetzt immer wieder über Drittmittel finanziert wurde. Hier wäre natürlich eine mindestens halbe Stelle wünschenswert, die, fest finanziert und unbefristet, bei einer der thematisch verwandten Professuren angesiedelt ist. Weiterhin gibt es im Garten einen ständigen Wechsel der Studierenden, die sich einbringen. Hier müssen Informationen über ihre Aktivitäten gesichert werden (z.B. welcher Baum wurde wann gepflanzt: welche Sorte, Ansprüche…), aber es muss auch Wissen zu ganz praktischen Themen festgehalten und zugänglich gehalten werden (z.B. über die Funktion der Pumpe für die Bewässerung). Dies geschieht über ein Wiki auf einer digitalen Plattform.

Die KU selbst ist ein vielfach ausgezeichneter Lernort für Nachhaltigkeit (2017, 2018, 2019: Weltaktionsprogram BNE; 2022: „Nationale Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) geehrt ,BMBF und Dt. UNESCO.Kommission) und wurde mehrfach von Studierenden zur beliebtesten Uni gewählt, zuletzt 2026 (studycheck.de). Die Uni ist seit mehr als 15 Jahren eine Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit und verfolgt einen Whole Institution Approach, den Ingrid Hemmer und Anne-Kathrin Lindau in unserem Sammelband „Bildungsmanagent zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Hochschule und Weiterbildung“ ausführlich beschreiben: (Hemmer, I., Lindau, A.-K. 2025: Whole Institution Approach an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt). Das integrierte Nachhaltigkeitsmanagement der Uni ist seit 2015 EMAS und seit 2019 EMASplus zertifiziert.

Ein herzlicher Dank am Dr. Johanna Umbach und Noah Ruf für den spannenden Austausch – und an die Studierenden des Gartenseminars, die mir Einblicke in die ganz praktische Arbeit im Garten ermöglicht haben. Alles Gute und viel Erfolg bei allen Euren Pflanz- und Bildungsprojekten!